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Behandlung der Gästefans beim Heimspiel gegen Mainz 05

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Unverständnis haben wir das Vorgehen seitens der SV Werder Bremen GmbH & Co KGaA beim Bundesligaspiel Werder Bremen – FSV Mainz 05 gegenüber einigen Mainzer Fans aufgenommen.

In einem Container, innerhalb des Eingangsbereichs zum Gästesektor, wurden hier nach Aussagen einzelner Gruppen und diverser Einzelpersonen aus Mainz, männliche Personen penibel kontrolliert. Das Prozedere beinhaltete u. a. Schuhe ausziehen. Des Weiteren wurden „normale“ Gäste die z. B. mit dem PKW kamen, durch ein anderes Tor zur gleichen Zeit mit sehr laschen Kontrollen in den Gästebereich gelassen.
Uns ist nicht bekannt, dass hier von einer gesonderten Gefahr dieses Personenkreises auszugehen war.

Als Fans des SV Werder Bremen haben wir ein gesteigertes Interesse daran, dass Gäste hier im Weserstadion auch als solche behandelt werden.
Daher würden wir gerne erfahren, womit derartige Vorgänge bei besagtem Spiel gerechtfertig werden.

Mit freundlichen Grüßen

HB Crew, Ultra`Boys, Wanderers Bremen

Fan-Ethik-Kodex von Werder: Nur Gutes im Sinn?

Über die Allgemeingültigkeit des Kodexes

Im Allgemeinen sind in einem Kodex die Richtlinien für eine Personengruppe geregelt, die für alle Betroffenen gelten. Der Fan-Ethik-Kodex stellt jedoch keine verbindliche Regelung dar, denn im Gegensatz zu einer Regelung sind die betroffenen Personen nicht zwingend an die Einhaltung eines Kodexes gebunden. Laut Definition besitzt jeder Kodex eine Allgemeingültigkeit. Der Fan-Ethik-Kodex besitzt scheinbar jedoch keine allgemeine Gültigkeit, da bereits verschiedene Varianten des Fan-Ethik-Kodex unterschrieben wurden. So wurde einigen Fans und Fanclubs ermöglicht, den Kodex z. B. für ihren eigenen Fanclub abzuändern und diese Version anschließend zu unterschreiben. Zudem gibt es einige Fanclubs, die den Kodex nicht unterschrieben haben, aber weiterhin vom für Fanclubs zur Verfügung gestellten Kartenkontingent profitieren. Diese Tatsachen werden jedoch gerne verschwiegen. Für uns stellt es sich so dar, dass unauffällige und kritische Fans unterschiedlich behandelt werden. Diese unterschiedliche Behandlung beginnt damit, dass kritischen Fans, die den Kodex nicht unterschrieben haben, keine Karten mehr zur Verfügung gestellt werden.
Die Unterschrift eines Kodexes sollte auf freiwilliger Basis erfolgen. Im Falle einer freiwilligen Unterschrift liegt es nahe, dass der Unterzeichner sich auch mit den Inhalten des Kodexes identifiziert. Gerade dies sollte Sinn eines Kodexes sein. Eine erzwungene Unterschrift bringt jedoch nicht zwangsläufig eine Identifikation der Inhalte des Kodexes mit sich. Für uns stellt sich daher die Frage, ob es den Vereinsoffiziellen tatsächlich um die Inhalte geht oder ist am Ende Image alles?

Fankodex = Die Lizenz zum Fahnen schwenken! – Teil II

… Bei der geplanten Aktion gegen Stuttgart sollte ursprünglich zu Spielbeginn das „Euer Ideal“ Spruchband präsentiert werden – mit Fahnenboykott. Diese Aktion und die Aktionen vom aktuellen Spieltag sollten unsere Kritik über bestehende Verhältnisse gegenüber Werderfans äußern. Jedoch kam es zu einem Zwischenfall mit der Polizei und den Ordnungskräften von Elko, welche den geplanten Ablauf durcheinander brachten. Man hinderte uns daran Spruchbänder ins Stadion zu bringen. Erst Mitte der zweiten Halbzeit gelang es uns das Spruchband zu präsentieren. Die Polizei und Elkos waren mit einem ungewöhnlich hohen Aufgebot um, und auffälligerweise auch im Stadion, aufgestellt und waren gewillt wieder massiv gegen die potenzielle Gefahr, vorzugehen, die von einem Spruchband ausgeht.

Geplant war die Aktion vom Stuttgartspiel ursprünglich so, dass zu Spielbeginn ein Spruchband mit der Aufschrift „Euer Ideal?“ präsentiert werden sollte. Dieses sollte im Kontrast zum schon präsentierten Spuchband „Unser Ideal“ stehen, welches nur mit massiven Einsatz unsererseits den Weg in die Kurve fand. Aufgrund dieser Umstände litt die potenzielle Qualität der geplanten Aktion enorm. Geplant war das „Euer Ideal ?“ Spruchband in der ersten Halbzeit hoch zuhalten und auf optische Unterstützung zu verzichten. Für uns bleibt fraglich was Ordnungsdienste und Polizei zu einer solch heftigen Reaktion brachte bzw. bringt, uns dies zu untersagen.

Um eine adäquate Alternative der „gescheiterten“ Aktion bemüht, versuchten wir kurzer Hand eine Foto-Aktion zu organisieren. Diese und weitere Aktionen in Form von Spruchbändern und Flugblättern sollten am vergangenen Spieltag gegen den VfL Wolfsburg stattfinden. Auch an diesem Spieltag war das Polizeiaufgebot erneut auffällig hoch. So war zu bemerken, dass die Fotoaktion von mehreren Polizisten begleitet und von diesen mit der Kamera festgehalten wurde. Sogar Ordnungskräfte mit Hunden wurden eingesetzt und lenkten von der Durchführung der Aktion ab. Ob ein solches Aufgebot von Polizei- und Ordnungskräften für eine Foto-Aktion notwendig ist, bleibt aus unserer Sicht fraglich.

Im Stadion präsentierten wir dann zwei Spruchbänder. Diese sollten auf genau die Verhältnisse aufmerksam machen, mit denen wir uns seit langer Zeit Spieltag für Spieltag rumplagen müssen. Auch die Geschehnisse rund um die geplanten Aktionen vom Samstag bestätigten uns in unserem Handeln erneut und fordern von uns in der Öffentlichkeit für Verständnis unserer Lage zu sorgen. Unser streben nach Freiheit wird bis zum äußersten auf die Probe gestellt. Denn eine Überwachung in Form von massiven Einsatz von Polizei und Ordnungsdienst stellt für uns keine hinnehmbare Situation dar.

Sind dies die Repressalien, die zukünftig jeder Fan zu erwarten hat, der den Fan-Ethik-Kodex kritisch betrachtet?

Ultra‘Boys, HB-Crew, Wanderers Bremen

Fankodex = Die Lizenz zum Fahnen schwenken!

Am Sonntag beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart führten wir erneut eine Aktion gegen den Fan-Ethik-Kodex durch.

Zunächst präsentierten wir das Spruchband „Fankodex = Die Lizenz zum Fahnen schwenken“. Hiermit wollen wir u. a. darauf aufmerksam machen, dass der Fan-Ethik-Kodex aus unserer Sicht überspitzt gesagt, lediglich eine Erlaubnis zum Fahnen schwenken darstellt. Wer größere Schwenkfahnen über 1,50m in die Ostkurve des Weserstadions nehmen will, braucht einen „Fahnenpass“. Dieser wurde bereits vor Jahren eingeführt. Seit Beginn dieser Saison erhalten ausschließlich Fans einen „Fahnenpass“, die den Kodex unterschrieben haben.
Des Weiteren präsentierten wir ungefähr zur Mitte der 2. Halbzeit ein großes „Unser Ideal“ -Spruchband, dass von einem kleinen Fahnenmeer abgerundet wurde. Eine laute und bunte Kurve voller Fahnen und Doppelhalter stellt für uns das ideale Bild einer Fankurve dar. Die Einschränkungen, unter denen wir aufgrund der Nicht-Unterschrift des Kodexes leiden müssen, machen es uns immer schwerer unser Idealbild der Ostkurve zu verwirklichen. Diese Einschränkungen zeigten sich am Sonntag, als wir die ursprünglich anders geplante Aktion nicht vollständig durchführen konnten…

Ultra‘Boys, HB-Crew, Wanderers Bremen

Nein zum Kodex! …und was es damit auf sich hat

Wir sind die Ultra‘Boys Bremen, die HB´ Crew und die Wanderers Bremen und gehören zur aktiven Bremer Fanszene. Wir unterstützen unseren geliebten Sportverein immer und überall. Fußball ist unser Leben!
Wir investieren eine Menge Zeit und Herzblut in und für den Verein, woraus eine spezifische und emotional gefärbte Sicht der Angelegenheiten resultiert.
Darüber hinaus verbindet unsere drei Gruppen aber noch eine Sache, die uns von den anderen Gruppen in Bremen unterscheidet:

Wir haben den Fan-Ethik Kodex nicht unterschrieben!

    Was ist der Kodex?

Der Fan-Ethik-Kodex wurde im Jahre 2007 in Anlehnung an den Fifa-Ethik-Kodex von Werder entwickelt. Dieser ging in kompletter Eigenarbeit einiger Funktionäre des Vereins von statten. Die Fans wurden hierbei nicht in die Arbeit am „Fan“-Ethik-Kodex eingebunden. Interessant, wenn man bedenkt, dass ein offizielles Ziel des Kodexes die Förderung der Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Fans bzw. den Fangruppen sein soll. Der Inhalt bezieht sich u.a. auf Themen, wie einen respektvollen Umgang mit unseren und den gegnerischen Fans oder die Ablehnung von Diskriminierung und Gewalt. Fanclubs, die den Kodex unterschreiben, erhalten im Gegenzug sogenannte Vergünstigungen, die Selbstverständlichkeiten der letzten Jahrzehnte darstellten. Daraus ergibt sich, dass Werder im Falle einer Nicht-Unterschrift diese Selbstverständlichkeiten entzieht. So entfallen uns Vergünstigungen im Rahmen von Dauerkarten, Karten für Auswärtsspiele, Arbeitskarten, Fahnenpässe, das Recht auf Kommunikation mit der Geschäftsführung und jegliche Unterstützung vom Verein.
Wir stellen uns die Frage, warum Selbstverständlichkeiten für den Fan plötzlich von Werder erlaubt werden müssen?

    Welchen Sinn erfüllt der Kodex?

Dem regelmäßigem Stadiongänger dürfte auffallen, dass dem Inhalt des Kodexes bereits mit dem Kauf und der Benutzung der Eintrittskarte zugestimmt wird, da die Inhalte des Kodexes ohnehin nahezu identisch mit der Stadionordnung sind. Daraus folgt, dass eine Unterschrift aus rechtlicher Sicht keine Bedeutung hat. Aus unserer Sicht liegt die Motivation von Werder vor allem darin, ihr positives Image in der Öffentlichkeit zu pflegen. Für uns ist fraglich, in wie weit ein Kodex Menschen motivieren kann, sich aktiv gegen Diskriminierung einzusetzen. Sinnvoller ist aus unserer Sicht die von Werder geleistete Aufklärungsarbeit. Eine Unterschrift kann dies nach unser Meinung nicht alleine leisten. Es scheint, als würde Werder sich damit in der Öffentlichkeit als „sozialer“ Verein profilieren wollen. Der Inhalt kann ebenso nicht das Ziel sein, denn einige Fans und Fanclubs haben sich die Möglichkeit eingeräumt, einige Passagen des Kodexes zu ändern, wodurch sich die Allgemeingültigkeit verliert. Die Grundfunktion eines Kodex ist jedoch ein allgemeingültiger Anspruch, der sich aus allen Beteiligten ergibt und somit für diese Bestand hat.

    Warum haben wir den Kodex nicht unterschrieben?

Weil wir es nicht können! Uns geht es weniger um den Inhalt des Kodexes, sondern um die Tatsache, dass wir unabhängig vom Verein agieren möchten. In den vergangenen Jahren zeigte sich anhand diverser Ereignisse, dass die Vereinsführung beim Thema Fanarbeit nicht vertrauenswürdig ist. Keiner kann uns durch eine Unterschrift bevormunden. Wir sind Fans, die einen Großteil ihrer Zeit, Geld und Nerven in ihren Verein investieren. Wir fühlen uns als Teil des eigenen Vereins und möchten auch so wahrgenommen werden. Wir sprechen von unserem Verein, wenn wir gewinnen; wir sprechen von unserem Verein, wenn wir verlieren. Zudem würden wir unserem Freiheitsgedanken, den wir als Ultras haben, durch die Unterschrift widersprechen.
Wir möchten an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich klarstellen, dass nicht die im Kodex aufgeführten Verhaltensregeln der Grund für unsere Nicht-Unterschrift waren und sind. Auch ohne Unterschrift des Fan-Ethik-Kodex respektieren wir alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung oder sexueller Identität.
In diesem Punkt könnten wir den Kodex unterstützen, jedoch ist für uns nicht hinnehmbar, dass das Auspfeifen des Schiedsrichters, Gesänge und Spruchbänder gegen den ungeliebten Gegner vom Verein als Diskriminierung definiert werden.
Es geht uns besonders um menschliche Faktoren, wie Vertrauen und Wertschätzung, die für uns als aktive Fans seit Ende der 90er Jahre nicht mehr bestehen. Die Art und Weise, wie der Kodex entwickelt und eingeführt wurde, widerspricht in unseren Augen dem eigentlichen Zweck dieses Kodexes, nämlich der besseren Kommunikation zwischen Fans und Geschäftsführung.
Wir sehen uns außer Stande, unsere emotional gefärbten und deshalb unvorhersehbaren Verhaltensweisen durch den Kodex reglementieren zu lassen. Seit Beginn dieser Saison versucht der Verein durch Sanktionen jeglicher Art, uns zu einer Unterschrift des Kodexes zu bewegen.

    Welche Folgen resultieren aus der Nicht-Unterschrift des Fan-Ethik-Kodexes für uns?

In der Anfangszeit bereitete uns die Nicht-Unterschrift kaum Probleme. Einzig von dem ohnehin schon zu geringe Kartenkontingent, dass den Ultra-Gruppen zur Verfügung steht, durften wir nicht mehr profitieren. Die Wanderers Bremen führten drei große Kurvenshows bei den DFB Pokal Finals 2009 und 2010 in Berlin, sowie dem Europapokal Endspiel 2009 in Istanbul, durch.
Mitten in den Vorbereitungen für die Finalchoreo in Berlin (Ende der Saison 2009/2010) kam es jedoch zu ersten Androhungen von Sanktionen, angesichts der nicht geleisteten Unterschrift. Seit Beginn der Saison 2010/2011 wurden die Androhungen erstmals verwirklicht, indem der Verein den Wanderers die Anmeldung von Choreos verweigerte. Diese sind jedoch bei Heim- und Auswärtsspielen zwingend notwendig. Zudem werden ihnen Transparente und jegliche optische Aktionen, wie z.B. Schwenkfahnen über 1,50m nicht mehr genehmigt. Die Teilnahme an dem neu eingerichteten Fan-Beirat, der zur besseren Kommunikation zwischen Fans und Verein beitragen soll, wird ebenfalls verwehrt.
Bis dato betrafen diese Einschränkungen nur die Wanderers, allerdings haben seit kurzer Zeit ebenso die HB´ Crew und die Ultra‘Boys mit den o.g. Sanktionen zu kämpfen.
Wir finden es demütigend unsere eigene Fahnen ins heimische Stadion „schmuggeln“ zu müssen. Wir fühlen uns vom Verein ausgegrenzt und unwillkommen in unserer eigenen Kurve.
Die Unterstützung, den Fanatismus und die Hingabe, die wir dem Verein eigentlich widmen möchten, wird uns durch die Nicht-Unterschrift des Kodexes und der daraus resultierenden Sanktionen verwehrt.

    Was wollen wir mit den Aktionen erreichen?

Wir wollen uneingeschränkt Choreos durchführen und den Verein so unterstützen, wie er es verdient. Es liegt uns am Herzen auf fankulturelle Angelegenheiten, wie z.B. Kartenpolitik oder Anstoßzeiten, Einfluss zu nehmen, Fahnen zu schwenken, Transparente zu präsentieren und kritische Meinungen frei äußern zu dürfen. Wir fordern einen fairen Umgang mit allen Beteiligten. Wir fordern eine angemessene Anerkennung und Wertschätzung für die Bemühungen von uns Fans.
Vor allem wollen wir mit diesen Aktionen eine öffentliche Diskussion über den Kodex anstoßen und alle Beteiligten für unsere Sichtweise der Thematik zu sensibilisieren. Wir werden mit weiteren Aktionen gegen diese Umstände und den Kodex kämpfen.


In diesem Sinne: NEIN ZUM KODEX!

Ultra‘Boys Bremen, HB´ Crew und Wanderers Bremen