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Emotionen reglementieren heißt Fankultur verlieren

Bericht der „Wanderers Bremen“ für den Erhalt der Fankultur Blog

Bei unserem Heimspiel am 12. Spieltag gegen den 1.FC Köln präsentierten wir, die Wanderers Bremen in Zusammenarbeit mit den Ultra‘Boys Bremen und der HB Crew, drei große Spruchbänder mit der Aufschrift: „Emotionen reglementieren heißt Fankultur verlieren – Nein zum Kodex!“.

Unsere Aktion war gegen den Fan-Ethik Kodex von Werder Bremen gerichtet. Genauer gesagt: Gegen den Fan-Ethik Kodex der Vereinsführung. Diese Abstufung ist uns sehr wichtig, der Verein sind wir ja schließlich alle!

Der Kodex ist ein von Werder Bremens Offiziellen aufgesetztes Schreiben, welches von allen Fanclubs unterzeichnet werden muss. Der Inhalt bezieht sich auf Themen, wie einen respektvollen Umgang mit den Fans oder die Ablehnung von Diskriminierung und Gewalt. Ausschließlich Fanclubs, die den Kodex unterschrieben haben, bekommen Vergünstigungen im Rahmen von Dauerkarten, Karten für Auswärtsspiele, Arbeitskarten und andere Unterstützung vom Verein.

Wir, die Wanderers Bremen, die Ultra‘Boys Bremen und die HB Crew, haben den Fan-Ethik Kodex nicht unterschrieben. Dies lässt sich beispielsweise mit der Tatsache begründen, dass wir keine Geschäftspartner sind, denen man einfach einen „Vertrag“ zum unterschreiben vorsetzt. Wir sind Fans, welche selbst Teil des Vereins sind. Der Kodex wurde ganz alleine von offizieller Seite aufgesetzt, ohne Mitspracherecht derer, die es betrifft. Des weiteren brauchen wir nichts zu unterschreiben, dessen Inhalt für uns selbstverständlich ist. Außerdem steht der Kodex im Konflikt mit dem Freiheitsgedanken, den Ultras nun einmal haben.

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich klarstellen, dass nicht die im Kodex aufgeführten Verhaltensregeln der Grund für unsere Nicht-Unterschrift waren und sind. Auch ohne Unterschrift des Fan-Ethik-Kodex respektieren wir alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung oder sexueller Identität.

Aufgrund unserer Nicht-Unterschrift haben wir vermehrt Probleme und Einschränkungen. Es werden zum Beispiel keine Choreos mehr von Werder Bremen genehmigt bzw. an die anderen Vereine weitergeleitet. Selbst das Anmelden von Bannern gehört der Vergangenheit an. Außerdem bekommen wir keinen Fahnenpass mehr, weshalb wir keine Schwenkfahnen über 1,50 Meter mit ins Weserstadion bekommen. Eintrittskarten für unsere Gruppe gibt es schon seit längerer Zeit nicht mehr und zu ,,Gesprächsrunden“ mit dem Verein wird man auch nicht mehr eingeladen. Durch die Spruchbänder wollen wir einfach auf unsere Situationen aufmerksam machen.

Da wir die Spruchbänder nicht auf den offiziellen Weg ins Stadion bekommen haben,mussten diese anders den Weg ins selbige finden. Der Ordnungsdienst hat probiert das „Nein zum Kodex“ wegzureißen, als wir das Spruchband in der Halbzeit noch einmal präsentiert haben. Noch während der Aktion wurden Drohungen weiterer Sanktionen gegen uns ausgesprochen.

Das ist das wahre Gesicht von Werders Offiziellen in Bezug auf den Umgang mit liebenden Fans.

Wanderers Bremen