Eingeschränkte Meinungsfreiheit im Weserstadion?

Ohren auf – Augen auf – Meinung sagen

Beim Heimspiel gegen Hannover 96 präsentierten wir ein Spruchband zum Thema Meinungsfreiheit mit dem Inhalt: „Ohren auf – Augen auf – Meinung sagen – zum Erhalt der Fankultur“. In den folgenden Zeilen möchten wir versuchen, euch den Hintergrund dieser Problematik näher zu bringen.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen heißt es: “Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung“. Ähnliche Regelungen finden sich auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention sowie dem deutschen Grundgesetz wieder. Dieses Recht findet in Deutschland seine Schranken allein in den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Dieses Grundrecht ist im Weserstadion jedoch stark eingeschränkt. Nicht selten wurde in der Vergangenheit das Präsentieren von Spruchbändern, Doppelhaltern, Fahnen und Choreografien durch Vereinsoffizielle untersagt. Betroffen hiervon sind in der Regel Utensilien mit kritischem Inhalt die oftmals als diskriminierend dargestellt wurden bzw. werden. Neben dem Klassiker ,,Scheiss HSV'‘ stehen auch Inhalte wie ,,Gegen Polizeigewalt'‘ etc. auf der Verbotsliste der Oberen.

Dass Spruchbänder mit tatsächlich diskriminierendem Inhalt (z. B. rassistisch, sexistisch oder faschistisch) in unserer Kurve nichts zu suchen haben, sehen wir als selbstverständlich an. Wenn jedoch Spruchbänder, die sich z. B. gegen den Derbygegner oder gegen zu hohe Ticketpreise richten, der Zensur zum Opfer fallen, ist dies für uns in keiner Weise nachvollzieh- und hinnehmbar.

Bei Werder Bremen und nahezu jedem anderen Fußballverein ist es mittlerweile zur traurigen Routine geworden, dass Spruchbänder und Choreos über die Fanbetreuung oder ähnlichen Institutionen angemeldet werden müssen. Diese angemeldeten Aktionen werden daraufhin in den Sicherheitsbesprechungen diskutiert. Fans haben auf die Entscheidungsfindung keinen Einfluss. Die Gründe für eine Absage angemeldeter Aktionen werden den betroffenen Fans selten, oder wenn überhaupt, verspätet mitgeteilt. Dieser Umstand führt dazu, dass die Entscheidungen, die in den Sicherheitsbesprechungen getroffen werden, oft als willkürlich empfunden und die bereits angefertigten Aktionen unbrauchbar werden.

Wir erwarten auf der einen Seite von unserem Verein mehr Vertrauen in die eigenen Fans und die Abschaffung des Prinzips der Anmeldung. Auf der anderen Seite kann sich der SV Werder Bremen auf die Selbstregulierung der Kurve verlassen und darauf vertrauen, dass Spruchbänder mit tatsächlich diskriminierendem Inhalt (sollten sie wirklich den Weg in die Kurve finden) sofort unterbunden werden.
Damit würde uns Fans die Möglichkeit gegeben werden, zu zeigen, dass wir auch ohne Unterschrift hinter den Inhalten des Fan-Ethik-Kodex stehen können.

Aktives Handeln statt bloßer Lippenbekenntnisse!